08.02.2010
Armutsentwicklung in Deutschland
GdW befürchtet Aufspaltung der Städte
Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) nimmt 2010 als "Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung" um vor kritischen Prozessen innerhalb der Städte zu warnen. Lutz Freitag, Präsident des GdW, warnte in einer Presseerklärung vor den Auswirkungen der zunehmenden Armutsentwicklung in Deutschland. Diese Entwicklung würde sich auch auf die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft auswirken.
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Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobileinunternehmen: Armutsentwicklung mit weitreichenden Folgen befürchtet. Foto: GdW |
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Freitag verwies dabei auf eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach wird die Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen immer weiter auseinander klaffen. Der Verbandschef befürchtet, dass sich diese Entwicklung auch in Zukunft weiter fortsetze.
Speziell steige für die künftigen älteren Generationen das Risiko von Armut. Der Anteil der auf Grundsicherungen nach dem SGB II angewiesenen älteren Menschen würde künftig weiter steigen. "Angesichts des Auslaufens vieler Kurzarbeitergeld-Regelungen ist auch ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten", so Freitag. Dies werde den Wohnungsmarkt weiter negativ beeinflussen. "Das alles verringert die Wohnkaufkraft der Mieter. Es droht kurzfristig ein Anstieg bei den Mietschulden und eine längerfristig verstärkte soziale Segregation in den Städten." Unter sozialer Segregation versteht man in diesem Zusammenhang die verstärkte Aufspaltung der Städte in "reiche" und "arme" Viertel.
In diesem Zusammenhang lehnte der Verbandspräsident die von einigen Politikern ins Spiel gebrachte bundeseinheitliche Pauschalierung von Neben- oder gar Unterkunftskosten nach SGB II ab. Damit würde die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht zur Übernahme der tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung - in einem angemessenen Rahmen - beseitigt. Die angemessene Kostenübernahme hänge auch von den unterschiedlichen Lagen auf den Teilmärkten ab, die bei Pauschalen nicht gesetzeskonform berücksichtigt würden.
Freitag sieht bei einer Pauschalierung zusätzlich die Gefahr, dass die soziale Segregation der Städte dadurch zusätzlich gefördert würde. Menschen, die auf Unterstützung angewiesen seien, deren Kosten für die Unterkunft aber von der Pauschalierung nicht abgedeckt werden, müssten dann in eine noch billigere Wohnung umzuziehen. Solche Wohnungen gebe es jedoch, wenn überhaupt nur dort, wo bereits viele Menschen mit sozialen Problemen wohnen. Dadurch würden immer mehr ärmere Menschen immer stärker in sozialen Brennpunkten zusammenwohnen. Eine neue Ghettobildung wäre hier die Folge.
Freitag forderte, dass die notwendigen höheren Nettokaltmieten, die nach einer energetischen Sanierung anfallen, als angemessene Kosten der Unterkunft nach SGB II anerkannt werden müssen. "Gerade angesichts der hohen und weiter steigenden Anforderungen an die Energieeffizienz von Wohngebäuden werden viele Wohnungsunternehmen sonst bald nicht mehr in der Lage sein, bestimmte Bestände energetisch zu modernisieren. Daraus ergibt sich auf mittlere Sicht ein wohnungswirtschaftliches und sozialpolitisches Dilemma: Gerade die Menschen mit den geringsten Einkommen müssen in Gebäuden mit den höchsten warmen Betriebskosten leben", erklärte der Verbandspräsident.
Autor: Hartmut Fischer (Wort Macht)